Systemarchetypen
Unbeabsichtigte Gegner
Zwei Partner, die voneinander profitieren würden, lösen jeweils lokal ihre eigenen Probleme — und schädigen dabei unbeabsichtigt den anderen, bis aus Kooperation Feindschaft wird.
Definition
Der Archetyp „Unbeabsichtigte Gegner" beschreibt, wie zwei Parteien, die von Zusammenarbeit profitieren würden, eine Allianz eingehen — dann aber jeweils lokal rationale Maßnahmen zur Lösung ihrer eigenen Probleme ergreifen, die den Partner unbeabsichtigt schädigen. So kippt ein Tugendkreis der Kooperation in einen Teufelskreis aus Misstrauen und Vergeltung, ohne dass jemand dies je beabsichtigt hätte.
Struktur
Ein äußerer verstärkender Loop (R) verbindet beide Parteien: Zusammenarbeit erzeugt gegenseitigen Erfolg, der noch mehr Zusammenarbeit nährt — eine Synergie. Darin eingebettet liegen jedoch zwei innere ausgleichende Loops (B): Jede Partei löst ihre eigenen Probleme lokal. Deren Nebenwirkungen greifen über und stören den Partner. Dessen Erfolg sinkt, er reagiert mit eigenen lokalen Fixes — und der einst verstärkende Kooperations-Loop läuft rückwärts, von Synergie in Sabotage.
Wann es auftritt
Joint Ventures, grenzüberschreitende Ressourcenabkommen, Lieferketten-Partnerschaften. Klassisch ist die historische Reibung zwischen Walmart und P&G um Bestandsführung: Jede Seite optimierte ihre eigenen Lagerkosten — und destabilisierte damit die Planung der anderen.
Hebelpunkte
Kartiert das gesamte System gemeinsam, sodass die wechselseitigen Auswirkungen lokaler Fixes für beide sichtbar werden — das einzelne Gegenüber sieht sie aus seiner Perspektive nie. Führt funktionsübergreifende Kennzahlen ein, die den gemeinsamen Erfolg messen, und prüft jeden lokalen Fix vorab auf seine systemische Wirkung auf den Partner, bevor er umgesetzt wird.
Beispiele
Ein Hersteller, der zur Kostensenkung Mindestbestellmengen erhöht, und damit den Händler in teure Überbestände zwingt. Zwei Abteilungen, die jeweils ihre eigenen Ziele optimieren und sich gegenseitig die Übergaben verstopfen.
Baue dieses Muster als Wirkungsdiagramm und simuliere es.
Verwandte Konzepte
Quellen: Senge et al. (1994), The Fifth Discipline Fieldbook · Braun (2002), The System Archetypes