Hebel

Spieltheorie

Hirschjagd

Warum gemeinsamer Wohlstand am Vertrauen scheitert — wenn die sichere kleine Beute attraktiver wirkt als die große, die volle Kooperation verlangt.

Definition

Die Hirschjagd geht auf Rousseau zurück und modelliert die Spannung zwischen gesellschaftlicher Kooperation und persönlicher Absicherung. Zwei Jäger können gemeinsam einen Hirsch erlegen (hohe Auszahlung, aber nur bei voller Kooperation) oder allein einen Hasen jagen (sichere, kleinere Auszahlung). Anders als beim Gefangenendilemma gibt es keine dominante Strategie, sondern zwei reine Nash-Gleichgewichte.

Struktur

Das Spiel hat kein dominantes Verhalten: Die beste Wahl jedes Spielers hängt davon ab, was der andere tut. Daraus folgen zwei reine Nash-Gleichgewichte. Das erste ist pareto-optimal — beide jagen den Hirsch (10, 10) und maximieren den gemeinsamen Ertrag. Das zweite ist risikodominant — beide jagen den Hasen (7, 7): Der Hase ist eine garantierte Einzelauszahlung, unabhängig vom Verhalten des Partners. Wer auf den Hirsch setzt und vom Partner im Stich gelassen wird, geht leer aus (0). Genau diese Verlustangst zieht rationale Spieler in das schlechtere, aber sichere Gleichgewicht.

Wann es auftritt

Bei reinen Koordinationsproblemen, bei denen alle gewinnen, wenn sie sich auf dasselbe Ziel einigen: Standardsetzung in der Technologiebranche (gemeinsames Format vs. eigenes Süppchen), Klimaabkommen, Währungs- und Sicherheitsbündnisse, organisatorisches Alignment. Immer dann, wenn das beste Ergebnis nur bei vollständiger gegenseitiger Verlässlichkeit erreichbar ist.

Hebelpunkte

Der Hebel ist nicht die Auszahlung selbst, sondern das Vertrauen. Signalisieren und „cheap talk" — glaubwürdige Absichtserklärungen, sichtbares Vorleisten, schrittweise Vertrauensbildung — verschieben die Erwartung, dass der Partner mitzieht. Zusätzlich helfen Institutionen, die die Strafe für eine gescheiterte Hirschjagd senken (Versicherung, Subvention, Ausfallgarantie): Wer beim Hirsch leer ausgeht, verliert dann weniger, wodurch sich das Gleichgewicht vom risikodominanten zum auszahlungsdominanten verschiebt.

Beispiele

Zwei Firmen, die nur dann einen lukrativen offenen Standard etablieren, wenn beide ihn unterstützen — sonst bleibt jede bei ihrer sicheren Insellösung. Staaten, die ein Klimaabkommen nur einhalten, wenn sie auf die anderen zählen können. Ein Team, das eine ambitionierte gemeinsame Vision nur trägt, wenn niemand ausschert.

Auszahlungsmatrix

Jäger 2: Hirsch jagenJäger 2: Hase jagen
Jäger 1: Hirsch jagen(10, 10)(0, 7)
Jäger 1: Hase jagen(7, 0)(7, 7)

Zwei reine Nash-Gleichgewichte: (Hirsch, Hirsch) = 10/10 ist pareto-optimal, (Hase, Hase) = 7/7 ist risikodominant. Kein dominantes Verhalten.

Modelliere es in Hebel

Baue dieses Muster als Wirkungsdiagramm und simuliere es.

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Verwandte Konzepte

Quellen: Rousseau (1755), Discours sur l’origine et les fondements de l’inégalité parmi les hommes · Skyrms (2004), The Stag Hunt and the Evolution of Social Structure