Hebel

Spieltheorie

Freiwilligendilemma

Alle profitieren, wenn nur einer einspringt — aber niemand will derjenige sein, der die Kosten trägt.

Definition

Das Freiwilligendilemma ist ein Mehrpersonenspiel: Übernimmt mindestens eine Person die Aufgabe (freiwillig), wird ein öffentliches Gut für alle bereitgestellt — doch nur die freiwillige Person trägt die persönlichen Kosten. Meldet sich niemand, erleiden alle eine hohe Strafe. Das Spiel formalisiert die Verantwortungsdiffusion und liefert eine spieltheoretische Erklärung des Bystander-Effekts.

Struktur

Die Auszahlungslogik lautet T > R > P: T = die beste Auszahlung (jemand anderes meldet sich freiwillig, man profitiert ohne Kosten), R = die Belohnung, wenn man selbst freiwillig handelt (das Gut entsteht, aber man trägt die Kosten), P = die Strafe, wenn niemand handelt. Es gibt kein reines Gleichgewicht, in dem jeder dasselbe tut, sondern ein eindeutiges symmetrisches Gleichgewicht in gemischten Strategien: Jeder meldet sich mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit. Entscheidend ist die Gruppengröße — je größer die Gruppe, desto kleiner die individuelle Freiwilligenwahrscheinlichkeit, weil jeder darauf hofft, dass schon irgendjemand anders einspringt. Genau das reproduziert den Bystander-Effekt.

Wann es auftritt

Bei Verantwortungsdiffusion und Trittbrettfahren auf öffentliche Güter: Whistleblowing, Zivilcourage und Eingreifen als Augenzeuge, freiwilliges Engagement, die undankbare Aufgabe im Team, die jemand erledigen muss. Immer dann, wenn eine einzige Handlung allen hilft, aber niemand die Kosten allein tragen möchte.

Hebelpunkte

Zwei Hebel verändern das Spiel. Erstens Kostenteilung oder Subventionen: Wer die persönlichen Kosten des Freiwilligen senkt (Aufwandsentschädigung, Schutz für Whistleblower, geteilte Last), erhöht die individuelle Freiwilligenwahrscheinlichkeit. Zweitens das Spiel asymmetrisch machen: Statt auf das gemischte Gleichgewicht zu vertrauen, eine konkrete Person eindeutig benennen, die zuständig ist — ein designierter Freiwilliger beseitigt die Verantwortungsdiffusion vollständig.

Beispiele

Eine Notlage auf belebter Straße, bei der niemand hilft, weil jeder annimmt, ein anderer werde es tun. Ein Team, in dem die unbeliebte Wartungsaufgabe liegen bleibt, je größer das Team wird. Ein Missstand in einer Organisation, den viele kennen, aber niemand meldet, weil das persönliche Risiko des Whistleblowings hoch ist.

Modelliere es in Hebel

Baue dieses Muster als Wirkungsdiagramm und simuliere es.

Einladung sichern

Verwandte Konzepte

Quellen: Diekmann (1985), Volunteer’s Dilemma, Journal of Conflict Resolution · Darley & Latané (1968), Bystander Intervention in Emergencies