Systemarchetypen
Erodierende Ziele
Der „gekochte Frosch": Die Lücke zwischen Soll und Ist wird geschlossen, indem man das Ziel senkt — nicht, indem man die Leistung hebt.
Definition
Der Archetyp „Erodierende Ziele" beschreibt das Phänomen des „gekochten Frosches": Eine anhaltende Lücke zwischen gewünschter und tatsächlicher Leistung wird nicht durch bessere Leistung geschlossen, sondern durch Absenken des Ziels. Jede einzelne Anpassung ist klein und scheint vernünftig — in der Summe gleitet das Anspruchsniveau unmerklich, aber stetig nach unten.
Struktur
Zwei konkurrierende ausgleichende Loops (B) wirken auf dieselbe Lücke. Der erste (B) schließt sie, indem er die tatsächliche Leistung zum Ziel hin anhebt — das ist mühsam und langsam. Der zweite (B) schließt sie, indem er das Ziel zur tatsächlichen Leistung hin absenkt — das ist schnell und bequem. Unter dem Druck nach rascher Entlastung gewinnt fast immer der zweite Loop, und das Ziel driftet Schritt für Schritt nach unten.
Wann es auftritt
Der schleichende Verfall von Qualitätsstandards, die Normalisierung von Abweichungen in der Sicherheit („normalization of deviance"), chronische Haushaltsdefizite mit immer neu definierter „akzeptabler" Verschuldung. Immer dann, wenn Ziele unter Druck still nachgeben.
Hebelpunkte
Verankere Ziele an einem absoluten externen Maßstab oder an einer dokumentierten Best Practice, die interner Druck nicht still nachjustieren kann. Mache jede Zielsenkung zu einer expliziten, sichtbaren und begründungspflichtigen Entscheidung — denn die Gefahr liegt gerade darin, dass die Erosion unbemerkt und unbeschlossen geschieht.
Beispiele
Ein Team, das die Definition von „erledigt" bei jedem Sprint ein wenig aufweicht, bis Qualität bedeutungslos wird. Eine Organisation, die ihr Sicherheits- oder Reaktionszeitziel nach jedem knappen Verfehlen leise herabsetzt.
Baue dieses Muster als Wirkungsdiagramm und simuliere es.
Verwandte Konzepte
Quellen: Senge (1990), The Fifth Discipline · Vaughan (1996), The Challenger Launch Decision