Hebel

Spieltheorie

Cournot-Wettbewerb

Zwei Anbieter wählen ihre Produktionsmengen — und die Summe ihrer Entscheidungen bestimmt über die Nachfrage den Marktpreis.

Definition

Das Cournot-Modell beschreibt ein Duopol, in dem die Firmen simultan ihre Produktionsmengen festlegen. Die Gesamtmenge bestimmt über die Nachfragefunktion den Marktpreis: Mehr Output drückt den Preis. Jede Firma optimiert ihre Menge in Antizipation des Outputs der anderen, woraus das Cournot-Nash-Gleichgewicht resultiert, in dem keine Firma einen Anreiz hat, ihre Menge einseitig zu ändern.

Struktur

Die strategische Variable ist die Menge, nicht der Preis. Jede Firma hat eine Reaktionsfunktion: ihre gewinnmaximale Menge als Antwort auf die erwartete Menge der Konkurrentin. Wo sich die beiden Reaktionsfunktionen schneiden, liegt das Cournot-Nash-Gleichgewicht — beide Mengen sind wechselseitig beste Antworten, niemand will einseitig abweichen. Das Ergebnis liegt zwischen dem Monopol (niedrige Gesamtmenge, hoher Preis) und der vollständigen Konkurrenz (hohe Menge, Preis = Grenzkosten): Der Cournot-Preis liegt über den Grenzkosten, aber unter dem Monopolpreis, weil jede Firma den preisdrückenden Effekt nur ihrer eigenen Menge internalisiert.

Wann es auftritt

Bei der Oligopolanalyse von Märkten, in denen die Kapazität bzw. Menge die zentrale Entscheidung ist und sich nicht kurzfristig ändern lässt: Rohstoffförderung, Energieerzeugung, Halbleiter- und Schwerindustrie, Kapazitätsplanung allgemein. Auch im Kartellrecht zur Abschätzung von Marktmacht und Fusionswirkungen.

Hebelpunkte

Der zentrale Hebel ist die Kapazitäts-Signalisierung und -Bindung: Wer glaubhaft ankündigt oder durch Investitionen festlegt, eine bestimmte Menge zu produzieren, verschiebt die Mengenerwartung der Konkurrenz und damit deren beste Antwort (Stackelberg-Vorteil des First Movers). Daneben löst Produktdifferenzierung den Wettbewerb teilweise aus der reinen Mengenlogik, weil die Produkte dann nicht mehr perfekt substituierbar sind.

Beispiele

Erdölförderländer, die ihre Fördermengen festlegen und damit den Weltmarktpreis beeinflussen. Zwei Stromerzeuger, die ihre Einspeisemengen planen. Hersteller, deren Werke eine bestimmte Jahreskapazität festlegen, die sich kurzfristig nicht anpassen lässt und so den Markt prägt.

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Verwandte Konzepte

Quellen: Cournot (1838), Recherches sur les principes mathématiques de la théorie des richesses · Tirole (1988), The Theory of Industrial Organization