Spieltheorie
Bertrand-Wettbewerb
Schon zwei Anbieter, die über den Preis konkurrieren, treiben den Preis bis auf die Grenzkosten — der Gewinn verschwindet.
Definition
Das Bertrand-Modell beschreibt ein Duopol, in dem die Firmen simultan ihre Preise setzen. Bei homogenen, perfekt austauschbaren Gütern kaufen die Konsumenten ausschließlich beim günstigsten Anbieter, was einen Unterbietungswettlauf auslöst. Das Bertrand-Nash-Gleichgewicht liegt bei Preis = Grenzkosten und Null-Gewinn — das Wettbewerbsergebnis der vollständigen Konkurrenz, obwohl es nur zwei Anbieter gibt.
Struktur
Die strategische Variable ist der Preis. Solange ein Anbieter über den Grenzkosten liegt, kann der andere ihn minimal unterbieten und den gesamten Markt an sich ziehen. Diese Logik treibt beide in einem Unterbietungswettlauf nach unten, bis der Preis genau die Grenzkosten erreicht: Darunter zu gehen würde Verlust bedeuten, darüber zu bleiben den Markt verlieren. Das Bertrand-Nash-Gleichgewicht ist also Preis = Grenzkosten mit null ökonomischem Gewinn. Das verblüffende Ergebnis — das „Bertrand-Paradoxon" — ist, dass bereits zwei konkurrierende Anbieter genügen, um das Resultat vollständiger Konkurrenz zu erzeugen, scharf im Kontrast zum Cournot-Wettbewerb über Mengen.
Wann es auftritt
Bei Preiskriegen und Commodity-Märkten, in denen das Produkt weitgehend austauschbar ist und der Preis das Hauptverkaufsargument: Standardisierte Massenware, Online-Marktplätze mit Preisvergleich, Tankstellen, generische Vorprodukte. Auch im Kartellrecht als Referenzfall für wettbewerbsintensive Strukturen.
Hebelpunkte
Der wirksamste Hebel ist, die reine Preiskonkurrenz zu verlassen: Produktdifferenzierung (Qualität, Design, Service, Marke) macht die Güter unvollständig substituierbar und gibt jedem Anbieter wieder Preissetzungsspielraum. Ergänzend wirken Wechselkosten und Bindung (Abos, Treueprogramme, Ökosysteme), die Kunden trotz minimaler Preisunterschiede halten. Kapazitätsbeschränkungen können den Unterbietungsdruck ebenfalls abmildern.
Beispiele
Zwei Tankstellen an derselben Kreuzung, die sich gegenseitig auf den Cent unterbieten. Online-Händler für identische Markenware, deren Preise sich auf Vergleichsportalen bis an die Marge angleichen. Anbieter generischer Cloud-Speicher, die im Preiskrieg jede Marge verlieren, bis einer durch Zusatzleistungen ausbricht.
Baue dieses Muster als Wirkungsdiagramm und simuliere es.
Verwandte Konzepte
Quellen: Bertrand (1883), Théorie mathématique de la richesse sociale, Journal des Savants · Tirole (1988), The Theory of Industrial Organization