Hebel

Spieltheorie

Ultimatum- & Diktatorspiel

Menschen lehnen unfaire Angebote ab, selbst wenn es sie etwas kostet — Fairness schlägt die kalte Rationalität.

Definition

Im Ultimatumspiel schlägt ein Proposer die Aufteilung einer festen Summe vor; der Responder kann annehmen (die Aufteilung gilt wie vorgeschlagen) oder ablehnen (beide gehen leer aus). In der Diktatorvariante kann der Responder nicht ablehnen — der Proposer entscheidet allein. Das Spiel ist der klassische Prüfstein, an dem klassische Rationalität und empirisches Fairnessverhalten auseinanderfallen.

Struktur

Die klassische Rationalität ist eindeutig: Jedes Angebot über null stellt den Responder besser als die Ablehnung, also sollte er jedes positive Angebot annehmen — und der Proposer sollte folglich das Minimum bieten. Empirisch geschieht das Gegenteil: Responder lehnen „unfaire" Angebote (typischerweise unter ~20 % der Summe) regelmäßig ab und nehmen den eigenen Verlust in Kauf, um eine Normverletzung zu bestrafen. Proposer antizipieren das und bieten meist deutlich mehr (oft nahe 40–50 %). Das Diktatorspiel isoliert das reine Geben: Ohne Strafmöglichkeit fällt die Großzügigkeit, verschwindet aber nicht — ein Hinweis auf intrinsische Fairnesspräferenzen statt bloßer strategischer Vorsicht.

Wann es auftritt

In der Verhaltensökonomie und überall, wo Fairnessnormen das Ergebnis prägen: Lohnfindung und Gehaltsverhandlungen, Tarifkonflikte, Aufteilung von Synergien bei M&A, Verteilung von Boni, Preissetzung, die als „gerecht" oder „abzockerisch" wahrgenommen wird. Immer dann, wenn ein objektiv vorteilhaftes Angebot trotzdem aus Prinzip abgelehnt werden kann.

Hebelpunkte

Zwei Hebel. Erstens Informationsasymmetrie steuern: Was der Responder über die Gesamtsumme weiß, verschiebt den Maßstab des Fairen — kennt er die volle Summe nicht, wirken niedrigere Angebote akzeptabel. Zweitens Wiederholung und Reputation: Im wiederholten Spiel lehnen Responder niedrige Angebote früh ab, um sich den Ruf zu erarbeiten, dass sich Unfairness nicht lohnt — das zwingt den Proposer in späteren Runden zu höheren Angeboten.

Beispiele

Ein Mitarbeiter, der ein Gehaltsangebot ablehnt, das er als respektlos empfindet, obwohl es über seiner Alternative liegt. Kunden, die ein Produkt boykottieren, dessen Preis sie als unverschämt wahrnehmen. Verhandlungspartner, die einen für sie profitablen Deal platzen lassen, weil die Gegenseite einen aus ihrer Sicht unfairen Anteil beansprucht.

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Verwandte Konzepte

Quellen: Güth, Schmittberger & Schwarze (1982), An Experimental Analysis of Ultimatum Bargaining · Kahneman, Knetsch & Thaler (1986), Fairness and the Assumptions of Economics